Bildung Von der Außenstelle der Fachhochschule Brandenburg in Hennigsdorf
sollen alle profitieren

HENNIGSDORF – Frank Warmuth ist auf der Suche - nach neuen Ideen und kreativen Köpfen. Als Forschungsleiter des Autozulieferers "Zehdenick Innovative Metall- und Kunststofftechnik" ist das, was er "Entwicklungskompetenz" nennt, sein Kapital. "Wir brauchen den Zugang zu neuestem Wissen", sagt er. Also sucht er die Nähe zu Hochschulen. Doch die sind weit weg von Zehdenick. Jetzt rückt die Hochschulwelt näher an die Wirtschaft in Oberhavel heran. Zum 1. Mai eröffnet die Fachhochschule Brandenburg (FHB) eine Präsenzstelle in Hennigsdorf. Warmuths Firma lässt sich das wie andere Betriebe einiges kosten. Sie beteiligen sich daran, dass die FHB nach Hennigsdorf kommt.

Gestern stellte die Winto mit FHB-Präsident Hans Georg Helmstädter das Projekt vor - im Technologiezentrum Hennigsdorf. Im Blauen Wunder wird auch die FHB-Stelle zu finden sein. Vor anderthalb Jahren knüpfte Winto-Chef Thomas Jablonski erste Kontakte zur FHB. Mit der Wirtschaft und dem Landkreis im Rücken konnte er Helmstädter überzeugen, die dritte Präsenzstelle in Oberhavel zu etablieren. Solche Außenposten gibt es bereits in Pritzwalk (Prignitz) und Schwedt (Uckermark). Seit Pritzwalk die Stelle hat, habe sich der Anteil der Studenten aus der Region um ein Viertel erhöht, so Helmstädter.

Als "Scharnier zwischen Wirtschaft und Bildung" bezeichnet Landrat Karl-Heinz Schröter den Posten. Als künftiger Standortleiter wird Tobias Dressler in den nächsten Wochen Kontakte knüpfen, mit Schulen und Unternehmen sprechen. Am Ende sollen alle davon profitieren: Firmen rekrutieren Nachwuchs, Schüler lernen Karrieremöglichkeiten kennen, die FHB wirbt Studenten, die später wiederum in den Oberhaveler Betrieben Praktika oder ihre Abschlussarbeiten absolvieren - und so Forschung und Entwicklung der Firmen bereichern. Finanziert wird der Posten mit 180 000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds für drei Jahre. Die Firmen schießen nochmal 60 000 Euro dazu und versprechen sich eine entsprechende Dividende. So wie Peter Heydenbluth, Chef des Entsorgers ERV. "Weiterbildung ist Teil unserer Philosophie", sagt er. Da kommt ihm die FHB mit ihren Qualifizierungsangeboten wie gerufen. Auch er schielt auf gut ausgebildeten Nachwuchs: "Warum wie im Fußball die teueren Spieler aus dem Ausland holen, wenn es eine Fußballschule vor Ort gibt?", fragt er.

Studieren kann man in Hennigsdorf nicht. Die Außenstelle soll Tor zu einem stetig wachsenden Netzwerk sein. Trotzdem überlegt die FHB schon jetzt, ob man in Hennigsdorf nicht auch die Präsenzseminare für Fernstudiengänge anbieten könne.
(Von Torsten Gellner)